Kalter Grüntee – Mizudashi (水出し, „kalt ziehen lassen") – ist die japanische Art, Grüntee mit kaltem Wasser statt mit heißem aufzugießen. Das Ergebnis heißt Reicha (冷茶, „kalter Grüntee"): mild, süßlich, kaum bitter – und an heißen Tagen erfrischender als jede warme Tasse.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Mizudashi ziehen die Teeblätter in kaltem Wasser (8–10 °C) statt in heißem – dadurch löst sich die süßliche Aminosäure L-Theanin gut, während bittere Gerbstoffe (Catechine) und ein Teil des Koffeins in den Blättern bleiben.
- Grundrezept: 15–25 g losen Tee (ca. 3–4 gehäufte TL) auf 0,5–1 Liter kaltes Wasser, ca. 1 Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.
- Fast alle Sorten eignen sich – Sencha, Bancha, Hojicha, Gyokuro. Ausnahme: Benifuuki, der bei langer Ziehzeit unerwünschte Stoffe entwickeln kann.
- Kalt gebrühter Grüntee liefert laut Studien mehr EGC und Aminosäuren, aber weniger EGCG (nur rund die Hälfte pro Tasse) als heißer Tee.
- Reicha hält sich gekühlt bis zu 24 Stunden und bleibt länger frisch und grün als abgekühlter heißer Tee.
Nicht nur kalter Matcha, sondern auch kalter Grüntee lohnt sich an heißen Sommertagen. Anders als in unserem Beitrag Kalter Matcha – So geht's geht es hier nicht um Rezepte, sondern um die traditionelle Zubereitungsform Mizudashi – und darum, was dabei im Glas passiert.
Was ist Mizudashi und Reicha?
Aus dem Japanischen übersetzt heißt Mizudashi „kalt ziehen lassen". Das fertige Getränk wird Reicha (冷茶) genannt, was schlicht „kalter Grüntee" bedeutet. Der Kern der Methode: Das Wasser ist von Anfang an kalt. Der Tee wird nie mit heißem Wasser übergossen und danach heruntergekühlt – dieser Unterschied bestimmt Geschmack und Inhaltsstoffe.
Der Grund liegt in der Löslichkeit: Bittere Gerbstoffe und Koffein lösen sich vor allem in heißem Wasser. Bei niedriger Temperatur bleiben sie größtenteils im Blatt, während die süßlich-umamige Aminosäure L-Theanin gut in das kalte Wasser übergeht. Deshalb schmeckt Reicha selbst bei langer Ziehzeit kaum bitter, sondern weich und natürlich süß.
Welche Teesorte eignet sich für Mizudashi?
Für die kalte Zubereitung gibt es keine feste Regel – von Bancha und Sencha über Hojicha bis hin zu Gyokuro und Tencha lässt sich fast jede Sorte kalt aufgießen. Besonders gut funktioniert Sencha: Kaltes Wasser bringt seine Aminosäure-Süße und das Umami nach vorne und hält die Herbe zurück.
Eine Ausnahme ist Benifuuki: Dieser Tee kann bei zu langer Ziehzeit unerwünschte, phototoxische Substanzen entwickeln und eignet sich daher nicht für die kalte Langzeit-Ziehung.
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Was macht spezielle Mizudashi-Tees aus?
Bei eigens gekennzeichneten Mizudashi-Tees stammen die Blätter aus frühen Pflückungen (1. Ernte) und werden mit einem hohen Dämpfungsgrad verarbeitet. Der gesamte Prozess dauert kürzer als bei regulären Senchas oder Banchas.
Diese Verarbeitung öffnet die Blattoberfläche so, dass die Inhaltsstoffe gleichmäßig ins kalte Wasser übergehen und ihr volles Aroma entfalten. Zur Unterscheidung tragen solche Tees den Zusatz Mizudashi im Namen.
Wie bereite ich kalten Grüntee zu?
Die Zubereitung ist denkbar einfach und gelingt ohne Spezialausrüstung. Du brauchst nur losen Tee, kaltes Wasser und eine Karaffe oder eine Mizudashi-Glasflasche.
Tee einfüllen
15–25 g losen Tee (ca. 3–4 gehäufte Teelöffel) in Karaffe oder Mizudashi-Flasche geben.
Kalt aufgießen
Mit 0,5–1 Liter kaltem Wasser übergießen.
Ziehen lassen
Ca. 1 Stunde in den Kühlschrank stellen; ideale Ziehtemperatur 8–10 °C.
Abgießen & genießen
Sofort oder innerhalb von 24 Stunden trinken – danach lässt der Geschmack nach.
Ziehzeiten über 6 Stunden solltest du vermeiden. Grundsätzlich gilt: Je länger der Tee zieht, desto mehr Koffein und Catechine lösen sich. Mehr zu den Ziehzeiten warmer Grüntees findest du in unserem Beitrag Ziehzeiten von Grüntee – Alles auf einen Blick.
Welche Vorteile hat kalter Grüntee?
In Japan ist Mizudashi an heißen Sommertagen sehr beliebt, hierzulande noch ein Geheimtipp. Gerade für den Einstieg in den Grüntee-Genuss ist Reicha ideal: wenig Bitterstoffe, ein milder Charakter und erfrischende, süßliche Aromen, die vor allem Umami-Fans begeistern. Praktisch ist außerdem die einfache Zubereitung und die gute Mitnahme zum Bade- oder Wanderausflug.
Auch die Inhaltsstoffe verschieben sich. Kalt gebrühter Grüntee enthält laut Untersuchungen deutlich mehr freie Aminosäuren wie L-Theanin. Beim Verhältnis von EGCG (Epigallocatechin-Gallat) zu EGC (Epigallocatechin) kann sich das hitzeempfindlichere EGC bei niedrigen Temperaturen besser lösen – Reicha ist daher tendenziell reicher an EGC, aber ärmer an EGCG (kalt lösen sich pro Tasse nur rund 50 % des EGCG). Studien (u. a. Monobe et al., JIRCAS) deuten darauf hin, dass EGC eine immunstimulierende Wirkung haben kann; belastbare Gesundheitsversprechen lassen sich daraus aber noch nicht ableiten.
Kalter oder warmer Grüntee – was ist besser?
Beides hat seinen Platz – die folgende Übersicht zeigt die Unterschiede auf einen Blick.
|
Merkmal |
Kalt (Mizudashi) |
Warm |
|
Geschmack |
Mild, süßlich, viel Umami |
Kräftiger, mehr Herbe |
|
Bitterstoffe |
Wenig – auch bei langer Ziehzeit |
Deutlich mehr |
|
L-Theanin |
Hoch |
Geringer |
|
EGCG |
Geringer (ca. halb so viel) |
Höher |
|
Haltbarkeit |
Gekühlt bis ~24 Stunden |
Am besten frisch |
|
Beste Situation |
Heiße Tage, Genuss unterwegs |
Entspannung, kühlere Tage |
Warmer Grüntee kann das Gefühl von Entspannung fördern und die Verdauung unterstützen, während kalter Tee an heißen Tagen erfrischt und länger haltbar ist. Am Ende entscheiden dein Geschmack und die Situation.
Fazit
Mizudashi ist die einfachste Art, Grüntee neu zu entdecken: kaltes Wasser, eine Stunde Geduld, ein mildes, süßliches Ergebnis. Wer die Herbe warmer Aufgüsse scheut oder einen erfrischenden Sommertee sucht, findet in Reicha die perfekte Alternative.






