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Kalter Grüntee - Eine andere Art der Zubereitung

Nicht nur kalter Matcha, sondern auch kalter Grüntee? Tatsächlich könnt ihr in diesen heißen Sommertagen auch kalten Grüntee als Abwechslung zu eurem kalten Matcha trinken. Dieser Blog Post soll euch einen Einblick in diese traditionelle Zubereitungsform, genannt Mizudashi (水出し), geben. 
Laura
Laura · Tee-Lexikon & Japan-Fan
Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2026 · Lesezeit ca. 5 Min.
✓ Mit Quellen geprüft

Laura ist unser "Tee-Lexikon" und ein echter Japan-Fan. Es gibt so gut wie keine Tee-Frage, auf die sie keine Antwort hat. In unserem Blog teilt sie dieses Wissen. Alle Beiträge ansehen →

Kalter Grüntee – Mizudashi (水出し, „kalt ziehen lassen") – ist die japanische Art, Grüntee mit kaltem Wasser statt mit heißem aufzugießen. Das Ergebnis heißt Reicha (冷茶, „kalter Grüntee"): mild, süßlich, kaum bitter – und an heißen Tagen erfrischender als jede warme Tasse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Mizudashi ziehen die Teeblätter in kaltem Wasser (8–10 °C) statt in heißem – dadurch löst sich die süßliche Aminosäure L-Theanin gut, während bittere Gerbstoffe (Catechine) und ein Teil des Koffeins in den Blättern bleiben.
  • Grundrezept: 15–25 g losen Tee (ca. 3–4 gehäufte TL) auf 0,5–1 Liter kaltes Wasser, ca. 1 Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.
  • Fast alle Sorten eignen sich – Sencha, Bancha, Hojicha, Gyokuro. Ausnahme: Benifuuki, der bei langer Ziehzeit unerwünschte Stoffe entwickeln kann.
  • Kalt gebrühter Grüntee liefert laut Studien mehr EGC und Aminosäuren, aber weniger EGCG (nur rund die Hälfte pro Tasse) als heißer Tee.
  • Reicha hält sich gekühlt bis zu 24 Stunden und bleibt länger frisch und grün als abgekühlter heißer Tee.

Nicht nur kalter Matcha, sondern auch kalter Grüntee lohnt sich an heißen Sommertagen. Anders als in unserem Beitrag Kalter Matcha – So geht's geht es hier nicht um Rezepte, sondern um die traditionelle Zubereitungsform Mizudashi – und darum, was dabei im Glas passiert.

Was ist Mizudashi und Reicha?

Aus dem Japanischen übersetzt heißt Mizudashi „kalt ziehen lassen". Das fertige Getränk wird Reicha (冷茶) genannt, was schlicht „kalter Grüntee" bedeutet. Der Kern der Methode: Das Wasser ist von Anfang an kalt. Der Tee wird nie mit heißem Wasser übergossen und danach heruntergekühlt – dieser Unterschied bestimmt Geschmack und Inhaltsstoffe.

Der Grund liegt in der Löslichkeit: Bittere Gerbstoffe und Koffein lösen sich vor allem in heißem Wasser. Bei niedriger Temperatur bleiben sie größtenteils im Blatt, während die süßlich-umamige Aminosäure L-Theanin gut in das kalte Wasser übergeht. Deshalb schmeckt Reicha selbst bei langer Ziehzeit kaum bitter, sondern weich und natürlich süß.

Welche Teesorte eignet sich für Mizudashi?

Für die kalte Zubereitung gibt es keine feste Regel – von Bancha und Sencha über Hojicha bis hin zu Gyokuro und Tencha lässt sich fast jede Sorte kalt aufgießen. Besonders gut funktioniert Sencha: Kaltes Wasser bringt seine Aminosäure-Süße und das Umami nach vorne und hält die Herbe zurück.

Eine Ausnahme ist Benifuuki: Dieser Tee kann bei zu langer Ziehzeit unerwünschte, phototoxische Substanzen entwickeln und eignet sich daher nicht für die kalte Langzeit-Ziehung.

Tipp: Für Reicha eignen sich früh gepflückte, stärker gedämpfte Tees (Chūmushi/Fukamushi) besonders gut – sie geben ihre Inhaltsstoffe gleichmäßig ans kalte Wasser ab. Manche Tees tragen dafür den ausdrücklichen Zusatz Mizudashi.
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Was macht spezielle Mizudashi-Tees aus?

Bei eigens gekennzeichneten Mizudashi-Tees stammen die Blätter aus frühen Pflückungen (1. Ernte) und werden mit einem hohen Dämpfungsgrad verarbeitet. Der gesamte Prozess dauert kürzer als bei regulären Senchas oder Banchas.

Diese Verarbeitung öffnet die Blattoberfläche so, dass die Inhaltsstoffe gleichmäßig ins kalte Wasser übergehen und ihr volles Aroma entfalten. Zur Unterscheidung tragen solche Tees den Zusatz Mizudashi im Namen.

Wie bereite ich kalten Grüntee zu?

Die Zubereitung ist denkbar einfach und gelingt ohne Spezialausrüstung. Du brauchst nur losen Tee, kaltes Wasser und eine Karaffe oder eine Mizudashi-Glasflasche.

1
Tee einfüllen

15–25 g losen Tee (ca. 3–4 gehäufte Teelöffel) in Karaffe oder Mizudashi-Flasche geben.

2
Kalt aufgießen

Mit 0,5–1 Liter kaltem Wasser übergießen.

3
Ziehen lassen

Ca. 1 Stunde in den Kühlschrank stellen; ideale Ziehtemperatur 8–10 °C.

4
Abgießen & genießen

Sofort oder innerhalb von 24 Stunden trinken – danach lässt der Geschmack nach.

Ziehzeiten über 6 Stunden solltest du vermeiden. Grundsätzlich gilt: Je länger der Tee zieht, desto mehr Koffein und Catechine lösen sich. Mehr zu den Ziehzeiten warmer Grüntees findest du in unserem Beitrag Ziehzeiten von Grüntee – Alles auf einen Blick.

Kalter Sencha Grüntee in Glasflasche kalt zubereitet (Mizudashi)

Welche Vorteile hat kalter Grüntee?

In Japan ist Mizudashi an heißen Sommertagen sehr beliebt, hierzulande noch ein Geheimtipp. Gerade für den Einstieg in den Grüntee-Genuss ist Reicha ideal: wenig Bitterstoffe, ein milder Charakter und erfrischende, süßliche Aromen, die vor allem Umami-Fans begeistern. Praktisch ist außerdem die einfache Zubereitung und die gute Mitnahme zum Bade- oder Wanderausflug.

Auch die Inhaltsstoffe verschieben sich. Kalt gebrühter Grüntee enthält laut Untersuchungen deutlich mehr freie Aminosäuren wie L-Theanin. Beim Verhältnis von EGCG (Epigallocatechin-Gallat) zu EGC (Epigallocatechin) kann sich das hitzeempfindlichere EGC bei niedrigen Temperaturen besser lösen – Reicha ist daher tendenziell reicher an EGC, aber ärmer an EGCG (kalt lösen sich pro Tasse nur rund 50 % des EGCG). Studien (u. a. Monobe et al., JIRCAS) deuten darauf hin, dass EGC eine immunstimulierende Wirkung haben kann; belastbare Gesundheitsversprechen lassen sich daraus aber noch nicht ableiten.

Loser Grüntee in Glasschale mit Sieb für die kalte Zubereitung

Kalter oder warmer Grüntee – was ist besser?

Beides hat seinen Platz – die folgende Übersicht zeigt die Unterschiede auf einen Blick.

Merkmal

Kalt (Mizudashi)

Warm

Geschmack

Mild, süßlich, viel Umami

Kräftiger, mehr Herbe

Bitterstoffe

Wenig – auch bei langer Ziehzeit

Deutlich mehr

L-Theanin

Hoch

Geringer

EGCG

Geringer (ca. halb so viel)

Höher

Haltbarkeit

Gekühlt bis ~24 Stunden

Am besten frisch

Beste Situation

Heiße Tage, Genuss unterwegs

Entspannung, kühlere Tage

Warmer Grüntee kann das Gefühl von Entspannung fördern und die Verdauung unterstützen, während kalter Tee an heißen Tagen erfrischt und länger haltbar ist. Am Ende entscheiden dein Geschmack und die Situation.

Fazit

Mizudashi ist die einfachste Art, Grüntee neu zu entdecken: kaltes Wasser, eine Stunde Geduld, ein mildes, süßliches Ergebnis. Wer die Herbe warmer Aufgüsse scheut oder einen erfrischenden Sommertee sucht, findet in Reicha die perfekte Alternative.

Häufige Fragen

Welcher Tee eignet sich am besten für kalten Grüntee (Mizudashi)?

Fast alle japanischen Grüntees eignen sich für Mizudashi – besonders gut Sencha, Bancha, Hojicha und Gyokuro. Früh gepflückte, stärker gedämpfte Tees (Chūmushi/Fukamushi) geben ihre Aromen im kalten Wasser besonders gleichmäßig ab. Nicht geeignet ist Benifuuki, da er bei langer Ziehzeit unerwünschte Substanzen entwickeln kann.

Wie lange und bei welcher Temperatur muss kalter Grüntee ziehen?

Gib 15–25 g losen Tee auf 0,5–1 Liter kaltes Wasser und lass ihn rund 1 Stunde im Kühlschrank ziehen. Die ideale Ziehtemperatur liegt zwischen 8 und 10 °C. Ziehzeiten über 6 Stunden solltest du vermeiden, da sich mit der Zeit mehr Koffein und Bitterstoffe lösen.

Hat kalt gebrühter Grüntee weniger Koffein?

Bei kurzer, kalter Ziehung löst sich in der Regel weniger Koffein als bei einem heißen Aufguss, weil Koffein sich vor allem in heißem Wasser gut löst. Die Menge steigt allerdings mit der Ziehzeit. Wer es besonders mild möchte, hält die Ziehzeit kurz und die Temperatur niedrig.

Ist kalter oder warmer Grüntee gesünder?

Beide Zubereitungen liefern wertvolle Inhaltsstoffe, nur in anderem Verhältnis. Kalt gebrühter Tee enthält mehr freie Aminosäuren wie L-Theanin und mehr EGC, aber weniger EGCG als heißer Tee. Welche Variante besser passt, hängt vom Geschmack und den persönlichen Vorlieben ab – pauschal gesünder ist keine von beiden.

Wie lange ist kalter Grüntee haltbar?

Gieß den Tee nach dem Ziehen ab und trinke ihn möglichst innerhalb von 24 Stunden. Gekühlt bleibt Reicha länger frisch und grün als abgekühlter heißer Tee, danach lässt der Geschmack aber spürbar nach.

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