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Benifuuki, Sunrouge und GABA - Drei Funktionstees

Benifuuki, Sunrouge und GABA zählen zu den Funktionstees. Dieser Blog Post beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Was sind Funktionstees? Wie werden diese hergestellt? Welche Auswirkungen haben sie?
Laura
Laura · Tee-Lexikon & Japan-Fan
Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2026 · Lesezeit ca. 6 Min.
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Laura ist unser "Tee-Lexikon" und ein echter Japan-Fan. Es gibt so gut wie keine Tee-Frage, auf die sie keine Antwort hat. In unserem Blog teilt sie dieses Wissen. Alle Beiträge ansehen →

Benifuuki, Sunrouge und GABA sind die drei bekanntesten japanischen Funktionstees: Grüntees, die durch gezielte Züchtung oder Verarbeitung besonders viel eines bestimmten Wirkstoffs enthalten. Dieser Artikel erklärt, was sie unterscheidet, wie sie hergestellt werden und wie du sie richtig aufgießt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Funktionstee heißt: ein Grüntee, bei dem ein Inhaltsstoff durch Sorte oder Verarbeitung stark angereichert ist – nicht ein normaler Sencha.
  • Benifuuki (registriert 1993, Kreuzung Benihomare × Makura Cd86) ist reich an methyliertem Catechin EGCG3″Me, das in Allergie-Studien untersucht wurde.
  • Sunrouge (Registrierung 2009, Camellia taliensis × C. sinensis) enthält etwa 8-mal mehr Anthocyane als die Standardsorte Yabukita – die Blätter färben sich rot.
  • GABA-Tee entsteht durch sauerstofffreie Verarbeitung: das erhöht die Aminosäure GABA auf über 1,5 mg/g (japanischer Grenzwert), entdeckt 1987 von Tojiro Tsushida.
  • Alle drei brühst du mit rund 6 g auf 200–300 ml – aber bei 60–75 °C und mit unterschiedlichen Ziehzeiten.

Was ist ein Funktionstee?

Bei einem Funktionstee steht die Wirkung eines einzelnen Inhaltsstoffs im Vordergrund. Durch eine spezielle Teesorte oder ein besonderes Herstellungsverfahren wird dieser Stoff gezielt angereichert – deutlich stärker als in einem gewöhnlichen Grüntee.

Zur Gruppe zählt neben Benifuuki, Sunrouge und GABA auch der kalt aufgegossene Mizudashi. In diesem Artikel geht es um die drei erstgenannten, weil sie über die Pflanze oder die Verarbeitung funktionalisiert werden.

Gut zu wissen: „Funktionell" beschreibt hier den Herstellungsansatz, nicht ein zugelassenes Heilversprechen. Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen sind in der EU streng reguliert (Health-Claims-Verordnung 1924/2006).
Japanischer Grüntee wird in eine Glasschale aufgegossen

Wie werden Benifuuki, Sunrouge und GABA hergestellt?

Die drei Tees entstehen auf sehr unterschiedliche Weise: zwei über die Teesorte selbst, einer über die Verarbeitung.

Benifuuki

Benifuuki wurde 1965 in Makurazaki (Präfektur Kagoshima) aus der Kreuzung Benihomare × Makura Cd86 gezogen und 1993 offiziell registriert. Die Sorte trägt Assamica-Erbgut und wurde ursprünglich für Schwarztee gedacht. Erst 1999 entdeckten Forschende ihren hohen Gehalt an methylierten Catechinen. Für diese Wirkstoffe wird Benifuuki heute als gedämpfter Grüntee verarbeitet – bei der Schwarztee-Oxidation gehen sie verloren.

Sunrouge

Sunrouge geht auf eine natürliche Kreuzung der Sorte „Cha Chuukanbohon Nou 6" (Camellia taliensis × C. sinensis) zurück und wurde 2009 zur Registrierung angemeldet. Auffällig sind die rötlich gefärbten jungen Blätter – ein Zeichen des hohen Anthocyan-Gehalts. Angebaut wird die Sorte vor allem im subtropischen Süden Japans, etwa auf der Insel Tokunoshima.

GABA

GABA-Tee (japanisch Gabaron) ist keine eigene Pflanze, sondern eine Verarbeitungstechnik. Die frischen Blätter reifen mehrere Stunden in einer sauerstofffreien Stickstoff-Atmosphäre. Dabei aktiviert sich das Enzym Glutamat-Decarboxylase und wandelt Glutaminsäure in Gamma-Aminobuttersäure (GABA) um. Entwickelt wurde das Verfahren 1987 von Tojiro Tsushida und seinem Team am japanischen Tee-Forschungsinstitut.

Tee

Prinzip

Schlüsselstoff

Erstmals

Benifuuki

Sorte (Benihomare × Makura Cd86)

Methyliertes Catechin EGCG3″Me

1993

Sunrouge

Sorte (C. taliensis × C. sinensis)

Anthocyane (ca. 8× Yabukita)

2009

GABA

Sauerstofffreie Verarbeitung

GABA (> 1,5 mg/g)

1987

Wie bereitet man die drei Funktionstees zu?

Die Mengen ähneln sich, Temperatur und Ziehzeit unterscheiden sich aber deutlich. Als Faustregel: rund 6 g Tee auf 200–300 ml Wasser.

Tee

Menge

Wasser

Temperatur

Ziehzeit

Benifuuki

ca. 6 g

200–300 ml

60 °C

2 min

Sunrouge

ca. 6 g

200–300 ml

70–75 °C

2–5 min

GABA

ca. 6 g

200–300 ml

70 °C

70 sek – 3 min

Die Ziehzeit steuerst du je nach gewünschtem Ergebnis: kürzer für einen milderen Aufguss, länger für einen kräftigeren. Ausführlicher haben wir das im Beitrag zu den Ziehzeiten von Grüntee erklärt.

💡
Lauras Tipp: Bei Sunrouge lohnt sich ein Spritzer Zitrone im fertigen Aufguss. Die enthaltenen Anthocyane reagieren auf den niedrigeren pH-Wert und der Tee wechselt sichtbar die Farbe – ein hübscher Effekt, der zugleich die Farbstoffe stabilisiert.
Hand hält eine japanische Grünteekanne und stützt den Deckel beim Ausgießen

Welche Wirkstoffe stecken in den Tees?

Jeder der drei Tees ist auf einen anderen Inhaltsstoff hin gezüchtet oder verarbeitet. Die folgenden Punkte beschreiben die Stoffe und die Forschungslage – ausdrücklich ohne gesundheitliches Versprechen.

Benifuuki: methylierte Catechine

Benifuuki gilt als besonders catechinreich. Charakteristisch ist das methylierte Catechin EGCG3″Me (eine Form von EGCG), das in der Standardsorte Yabukita praktisch fehlt. In einer randomisierten Doppelblindstudie aus Japan wurde Benifuuki-Grüntee im Zusammenhang mit den Symptomen der Zedernpollen-Allergie untersucht.

Sunrouge: Anthocyane

Sunrouge weist den höchsten Anthocyan-Gehalt unter den untersuchten japanischen Teesorten auf – laboranalytisch rund 8-mal so viel wie Yabukita. Anthocyane sind die wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe, die je nach pH-Wert rot, violett oder blau erscheinen. Zusätzlich enthält die Sorte methylierte Catechine.

GABA: Gamma-Aminobuttersäure

GABA-Tee enthält die Aminosäure Gamma-Aminobuttersäure in deutlich erhöhter Menge. Damit ein Tee in Japan als GABA-Tee gilt, muss er mehr als 1,5 mg GABA pro Gramm enthalten – gewöhnlicher Grüntee liegt weit darunter. Erste japanische Veröffentlichungen der späten 1980er berichteten über einen blutdrucksenkenden Effekt in Tierversuchen.

Rechtlicher Hinweis: Zu allen drei Tees kursieren weitere gesundheitliche Aussagen. Wegen der EU-Health-Claims-Verordnung (VO 1924/2006) machen wir dazu keine abschließenden Wirkversprechen. Die verlinkten Studien beschreiben Forschungsergebnisse, keine zugelassenen Heilaussagen.

Für wen lohnt sich welcher Tee?

Benifuuki ist der kräftige, herbe unter den dreien – interessant für alle, die den catechinreichen Charakter schätzen. Sunrouge ist eher ein funktionaler, optisch spannender Tee mit mildem Profil. GABA-Tee schmeckt durch die sauerstofffreie Reifung leicht säuerlich-malzig und wird gern am Abend getrunken.

Alle drei sind Spezialitäten und in Europa nur begrenzt erhältlich. Wenn du japanischen Grüntee erst einmal in seiner klassischen Form kennenlernen möchtest, ist ein guter Sencha der beste Startpunkt – die Sorte, an der die Funktionstees wissenschaftlich gemessen werden.

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Fazit

Benifuuki, Sunrouge und GABA zeigen, wie vielfältig japanischer Grüntee sein kann: eine Sorte für methylierte Catechine, eine für Anthocyane, eine Verarbeitungstechnik für GABA. Wer die richtige Temperatur und Ziehzeit beachtet, holt aus jedem das Beste heraus.

Häufige Fragen

Was ist ein Funktionstee?

Ein Funktionstee ist ein Grüntee, bei dem ein bestimmter Inhaltsstoff durch die Teesorte oder das Herstellungsverfahren gezielt angereichert wird. Benifuuki (methylierte Catechine), Sunrouge (Anthocyane) und GABA (Gamma-Aminobuttersäure) sind die drei bekanntesten japanischen Beispiele.

Worin unterscheiden sich Benifuuki, Sunrouge und GABA?

Benifuuki und Sunrouge sind eigene Teesorten: Benifuuki (registriert 1993) ist reich an methyliertem Catechin EGCG3″Me, Sunrouge (2009) an Anthocyanen und färbt sich rot. GABA-Tee dagegen ist keine Sorte, sondern eine Verarbeitungstechnik, bei der die Blätter unter Sauerstoffausschluss reifen und dabei die Aminosäure GABA anreichern.

Wie bereitet man GABA-Tee richtig zu?

Für GABA-Tee nimmst du etwa 6 g Tee auf 200–300 ml Wasser bei rund 70 °C. Die Ziehzeit reicht von 70 Sekunden bis 3 Minuten – kürzer für einen milderen, länger für einen kräftigeren Aufguss.

Warum wechselt Sunrouge-Tee mit Zitrone die Farbe?

Sunrouge enthält viele Anthocyane – wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, deren Farbe vom pH-Wert abhängt. Gibst du einen Spritzer Zitrone hinzu, sinkt der pH-Wert und der Aufguss wechselt sichtbar ins Rötliche. Das stabilisiert zugleich die Farbstoffe.

Wo kann man Benifuuki, Sunrouge und GABA kaufen?

Alle drei sind Spezialitäten und in Europa nur begrenzt erhältlich, oft nur über spezialisierte Teehändler. Wer japanischen Grüntee zuerst in klassischer Form kennenlernen möchte, startet am besten mit einem hochwertigen Sencha – der Standardsorte, an der die Funktionstees wissenschaftlich gemessen werden.

Quellen

  1. Maeda-Yamamoto M. et al. (2012): Epicatechin-3-O-(3″-O-methyl)-gallate Content in Various Tea Cultivars…, J. Agric. Food Chem. – pubs.acs.org
  2. Masuda S. et al. (2014): 'Benifuuki' green tea containing o-methylated catechin reduces symptoms of Japanese cedar pollinosis (randomized, double-blind, placebo-controlled trial)PubMed
  3. Kohata K. / NARO: Properties of 'Benifuuki' green tea (Zuchtlinie Benihomare × Makura Cd86, EGCG3″Me) – naro.go.jp
  4. Maeda-Yamamoto M. et al. (2011): Anthocyanins from New Red Leaf Tea 'Sunrouge' (ca. 8× Yabukita), J. Agric. Food Chem. – pubs.acs.org
  5. Tsushida T., Murai T. et al. (1987): Production of a new type tea containing a high level of γ-aminobutyric acid, Nippon Nōgeikagaku Kaishi 61(7):817–822 – doi.org

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